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MMA - Informieren, um Vorurteile abzubauen

10.03.2010



Mit den Worten „Wenn die Vereine nicht zu uns kommen, kommen wir zu ihnen“  eröffnete Herr Thomas Mundt am Dienstag die öffentliche Sitzung des Sportausschusses der Hansestadt und begründete damit zugleich, warum diese diesmal im Sport- und Freizeitzentrum des Greifswalder Ringervereins stattfand.

Zunächst schilderte der  Tauchsportclub Greifswald e.V. seine wirtschaftlichen Probleme, die sich nach der Ausstellung der neuen Fahrzeugpapiere der „Artur Becker“ durch die See-BG und der damit verbundenen Reduzierung der Höchstgrenze mitzunehmender Personen von 26 auf 12 Fahrgäste ergeben. Zurzeit versucht der Verein Alternativen auszuschöpfen, um das Schiff mit einem neuen Konzept für sich und seine Kunden zu erhalten. Gleichzeitig wurde die Bitte an den Spotausschuss und die Medien gerichtet, den Verein hierbei zu unterstützen.

Im Anschluss stellte Vereinsvorsitzende Marion Groß dem Sportausschuss und den zahlreich erschienenen Gästen den Greifswalder Ringerverein vor. Man erfuhr, dass hier in den Abteilungen Ringen, MMA, Kraftsport, Bewegen mit Kindern, Fitness und Seniorensport ca. 270 Mitglieder trainieren. Nach Übernahme der Sporthalle in der Krullstrasse wurde diese in den vergangenen Jahren in ein modernes Sport- und Freizeitzentrum umgewandelt, das nunmehr zusätzlich über einen Fitnessraum, eine Sauna, eine Mattenhalle und ein Bürogebäude verfügt. Die Halle wird nicht nur vom Verein selbst, sondern von Kindergärten, Schulen und der Universität sowie für den Polizeisport und Rehasport genutzt. Frau Groß appellierte an die Stadt, den Verein auch weiterhin zu unterstützen, z.B. auch beim im Sommer anstehenden 15. Internationalen Boddenpokal, bei dem seit Jahren auch ein Team aus Greifswalds Partnerstadt Kotka antritt. Frau Groß hob die Qualität des Trainings im Verein hervor, das von ausgebildeten und erfahrenen Trainern geleitet wird.

Die vor zwei Jahren von Philipp Groß  gegründete Abteilung MMA des Vereins nutzte die Gelegenheit, um sich „ins rechte Licht zu rücken“. Für sie sprach Herr Andreas Stockmann von der FFA (Free Fight Association), der sich auch die Greifswalder MMA-Sportler angeschlossen haben. Er beschrieb, dass die MMA-Sportler Deutschlands 20 Jahre lang nur ihren Sport gemacht und sich nicht um PR gekümmert hätten. Und plötzlich glauben Politiker und Ordnungsämter aufgrund aus Amerika überschwappender Shows und Berichte sich einmischen zu müssen. Unwissenheit und Informationsdefizit führen aus seiner Sicht zu Vorurteilen und Ablehnung. Und schon liegt der Landesregierung M-V der Antrag eines Abgeordneten vor, der ein generelles Verbot für MMA im Land fordert. Dass auch Sitzungsleiter Thomas Mundt ehrlich bekennt, noch nie etwas von dieser Sportart gehört, geschweige denn gesehen zu haben, beweist, dass Aufklärung und Information unbedingt vonnöten sind. Herr Stockmann betonte, dass MMA nicht gefährlicher als andere Sportarten sei und verwies auf ein umfangreiches Regelwerk. Bei Abendveranstaltungen der FFA würde in Deutschland Jugendlichen unter 16 Jahren kein Zutritt gewährt werden, „um keine falschen Impulse zu geben“. Herr Stockmann griff ein häufiges Vorurteil der MMA-Gegner auf, das darauf zielt, dass bei MMA im Boden weiter geschlagen werden darf: Wer am Boden liegt, den schlägt man nicht, denn der ist schwach und ungeschützt. Der MMA-Sportler aber folgt der Strategie „Wenn mein Gegner mir Probleme macht, dann ist er stärker als ich, dann geh ich zu Boden und verstecke mich an ihm“. Der Bodenkampf sei sogar ungefährlicher als der Kampf im Stand, denn da der „Stärkere“ seine Position sitzend oben auf dem „Schwächeren“ behaupten muss, verdeckt er dessen Körper und es gibt dort keine Möglichkeit von Treffern. Dem Unteren dagegen bleiben damit beide Arme frei, um seinen Kopf zu schützen oder sich per Ringerbrücke zu befreien. Unten versteckt sich also der MMA-Sportler am Körper des Gegners. Herr Stockmann verwies darauf, dass es beim MMA darum ginge, Aggressionen zu beherrschen und seinen Gegner zu würdigen. Die MMA-Sportler seien keine Kriminellen, die im Alltag durch Gewalttaten auffielen. Sie machten einfach nur Sport und vereinen dabei verschiedene Sportarten wie Boxen und Ringen. Der Referent der FFA erhielt unerwartete Unterstützung von den Gästen. Frau Helga Krysmanski, ältestes Mitglied des Vereins, bekräftigte, dass sie ganz „toll“ fände, „was die jungen Männer hier in der Halle machen“. Diesen Worten konnte ich mich nur anschließen. In meiner Funktion als Verantwortliche für den Internetauftritt des Vereins hab ich mir das Training angesehen und war beeindruckt von der Intensität und der Fairness. Da geht es heiß her, aber das denk ich auch, wenn ich mir ein Handballspiel ansehe. Bei einem Wettkampf im letzten Jahr konnte ich erleben, wie respektvoll sich die Sportler nicht nur auf der Matte, sondern auch nach und vor den Kämpfen begegneten. Sie brachten sich gegenseitig eine Würdigung entgegen, wie man sie selten bei anderen Sportarten sieht. Dennoch bleibe ich persönlich doch lieber beim Tanzsport, und folge damit Herrn Stockmanns Worten: „Man muss es ja nicht lieben, aber man muss es akzeptieren.“ Und so  versprach dann auch Herr Mundt, sich das doch einmal anzusehen. Gelegenheit bietet sich ihm bald, denn am 3. April findet in der Mehrzweckhalle eine Mixed Fight Gala statt. Der Verein hofft, dass auch andere Politiker die Möglichkeit nutzen, sich zu informieren und sich MMA-Kämpfe einmal anzusehen, bevor sie urteilen. In diesem Zusammenhang bekräftigte Herr Sebastian Ratjen als Vertreter der FDP, dass nach einer Anhörung in seiner Fraktion viele davon überzeugt wären, dass keine Voraussetzungen für ein Verbot dieser Sportart bestünden.

Die Sitzung endete mit dem Verlesen der geplanten Investitionen im Bereich der zu sanierenden Sportstätten und Schulen.

Ute Marbach
 

 
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