|
Mit den Worten „Wenn die Vereine nicht zu uns kommen, kommen
wir zu ihnen“ eröffnete Herr Thomas Mundt am Dienstag die
öffentliche Sitzung des Sportausschusses der Hansestadt und
begründete damit zugleich, warum diese diesmal im Sport- und
Freizeitzentrum des Greifswalder Ringervereins stattfand.
Zunächst schilderte der Tauchsportclub Greifswald e.V.
seine wirtschaftlichen Probleme, die sich nach der
Ausstellung der neuen Fahrzeugpapiere der „Artur
Becker“ durch die See-BG und der damit verbundenen
Reduzierung der Höchstgrenze mitzunehmender Personen von 26
auf 12 Fahrgäste ergeben. Zurzeit versucht der Verein
Alternativen auszuschöpfen, um das Schiff mit einem neuen
Konzept für sich und seine Kunden zu erhalten. Gleichzeitig
wurde die Bitte an den Spotausschuss und die Medien
gerichtet, den Verein hierbei zu unterstützen.
Im Anschluss stellte Vereinsvorsitzende Marion Groß dem
Sportausschuss und den zahlreich erschienenen Gästen
den Greifswalder Ringerverein vor. Man erfuhr, dass hier in
den Abteilungen Ringen, MMA, Kraftsport, Bewegen mit
Kindern, Fitness und Seniorensport ca. 270 Mitglieder
trainieren. Nach Übernahme der Sporthalle in der
Krullstrasse wurde diese in den vergangenen Jahren in ein
modernes Sport- und Freizeitzentrum umgewandelt, das nunmehr
zusätzlich über einen Fitnessraum, eine Sauna, eine
Mattenhalle und ein Bürogebäude verfügt. Die Halle wird
nicht nur vom Verein selbst, sondern von Kindergärten,
Schulen und der Universität sowie für den Polizeisport und
Rehasport genutzt. Frau Groß appellierte an die Stadt, den
Verein auch weiterhin zu unterstützen, z.B. auch beim im
Sommer anstehenden 15. Internationalen Boddenpokal, bei dem
seit Jahren auch ein Team aus Greifswalds Partnerstadt Kotka
antritt. Frau Groß hob die Qualität des Trainings im Verein
hervor, das von ausgebildeten und erfahrenen Trainern
geleitet wird.
Die vor zwei Jahren von Philipp Groß gegründete Abteilung
MMA des Vereins nutzte die Gelegenheit, um sich „ins rechte
Licht zu rücken“. Für sie sprach Herr Andreas Stockmann von
der FFA (Free Fight Association), der sich auch die
Greifswalder MMA-Sportler angeschlossen haben. Er beschrieb,
dass die MMA-Sportler Deutschlands 20 Jahre lang nur ihren
Sport gemacht und sich nicht um PR gekümmert hätten. Und
plötzlich glauben Politiker und Ordnungsämter aufgrund aus
Amerika überschwappender Shows und Berichte sich einmischen
zu müssen. Unwissenheit und Informationsdefizit führen aus
seiner Sicht zu Vorurteilen und Ablehnung. Und schon liegt
der Landesregierung M-V der Antrag eines Abgeordneten vor,
der ein generelles Verbot für MMA im Land fordert. Dass auch
Sitzungsleiter Thomas Mundt ehrlich bekennt, noch nie etwas
von dieser Sportart gehört, geschweige denn gesehen zu
haben, beweist, dass Aufklärung und Information unbedingt
vonnöten sind. Herr Stockmann betonte, dass MMA nicht
gefährlicher als andere Sportarten sei und verwies auf ein
umfangreiches Regelwerk. Bei Abendveranstaltungen der FFA
würde in Deutschland Jugendlichen unter 16 Jahren kein
Zutritt gewährt werden, „um keine falschen Impulse zu
geben“. Herr Stockmann griff ein häufiges Vorurteil der
MMA-Gegner auf, das darauf zielt, dass bei MMA im Boden
weiter geschlagen werden darf: Wer am Boden liegt, den
schlägt man nicht, denn der ist schwach und ungeschützt. Der
MMA-Sportler aber folgt der Strategie „Wenn mein Gegner mir
Probleme macht, dann ist er stärker als ich, dann geh ich zu
Boden und verstecke mich an ihm“. Der Bodenkampf sei sogar
ungefährlicher als der Kampf im Stand, denn da der
„Stärkere“ seine Position sitzend oben auf dem „Schwächeren“
behaupten muss, verdeckt er dessen Körper und es gibt dort
keine Möglichkeit von Treffern. Dem Unteren dagegen bleiben
damit beide Arme frei, um seinen Kopf zu schützen oder sich
per Ringerbrücke zu befreien. Unten versteckt sich also der
MMA-Sportler am Körper des Gegners. Herr Stockmann verwies
darauf, dass es beim MMA darum ginge, Aggressionen zu
beherrschen und seinen Gegner zu würdigen. Die MMA-Sportler
seien keine Kriminellen, die im Alltag durch Gewalttaten
auffielen. Sie machten einfach nur Sport und vereinen dabei
verschiedene Sportarten wie Boxen und Ringen. Der Referent
der FFA erhielt unerwartete Unterstützung von den Gästen.
Frau Helga Krysmanski, ältestes Mitglied des Vereins,
bekräftigte, dass sie ganz „toll“ fände, „was die jungen
Männer hier in der Halle machen“. Diesen Worten konnte ich
mich nur anschließen. In meiner Funktion als Verantwortliche
für den Internetauftritt des Vereins hab ich mir das
Training angesehen und war beeindruckt von der Intensität
und der Fairness. Da geht es heiß her, aber das denk ich
auch, wenn ich mir ein Handballspiel ansehe. Bei einem
Wettkampf im letzten Jahr konnte ich erleben, wie
respektvoll sich die Sportler nicht nur auf der Matte,
sondern auch nach und vor den Kämpfen begegneten. Sie
brachten sich gegenseitig eine Würdigung entgegen, wie man
sie selten bei anderen Sportarten sieht. Dennoch bleibe ich
persönlich doch lieber beim Tanzsport, und folge damit Herrn
Stockmanns Worten: „Man muss es ja nicht lieben, aber man
muss es akzeptieren.“ Und so versprach dann auch Herr Mundt,
sich das doch einmal anzusehen. Gelegenheit bietet sich ihm
bald, denn am 3. April findet in der Mehrzweckhalle eine
Mixed Fight Gala statt. Der Verein hofft, dass auch andere
Politiker die Möglichkeit nutzen, sich zu informieren und
sich MMA-Kämpfe einmal anzusehen, bevor sie urteilen. In
diesem Zusammenhang bekräftigte Herr Sebastian Ratjen als
Vertreter der FDP, dass nach einer Anhörung in seiner
Fraktion viele davon überzeugt wären, dass keine
Voraussetzungen für ein Verbot dieser Sportart bestünden.
Die Sitzung endete mit dem Verlesen der geplanten
Investitionen im Bereich der zu sanierenden Sportstätten und
Schulen.
Ute Marbach
|